Famulatur

Die zahnärztliche Versorgung in Niedersachsen ist in den kommenden Jahren zunehmend gefährdet: Rund 30 Prozent der Zahnärztinnen und Zahnärzte werden in den Ruhestand gehen, ohne dass genügend Nachfolgerinnen und Nachfolger zur Verfügung stehen. Besonders in ländlichen Regionen fehlt es an jungen Zahnmedizinerinnen und Zahnmedizinern, die sich dort niederlassen möchten.

Um auch künftig eine flächendeckende und wohnortnahe zahnmedizinische Versorgung für alle Patientinnen und Patienten sicherzustellen, muss diesem Mangel dringend entgegengewirkt werden.

Ursachen des Nachwuchsmangels

Die Gründe für den Nachwuchsmangel sind vielfältig. Vor allem fehlt es jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten an Anreizen, sich im ländlichen Raum niederzulassen. Abschreckende Faktoren wie steigender bürokratischer Aufwand, eine 36 Jahre alte Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ), bestehende Budgetvorgaben führen dazu, dass viele den Schritt in die Selbstständigkeit scheuen. In den Ballungsräumen erscheinen die beruflichen Perspektiven und Arbeitsbedingungen vermeintlich attraktiver.

Neue Wege des FVDZ

Der Freie Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ) geht seit drei Jahren neue Wege, um dem drohenden Nachwuchsmangel entgegenzuwirken – besonders in ländlichen Regionen. In Ostfriesland (Landkreis Wittmund) wurde ein Pilotprojekt mit dem Ziel initiiert, den Nachwuchs zu fördern und die Altersstruktur der Zahnärzteschaft zu verbessern.

Jedes Jahr famulieren acht Studierende aus dem Abschlussjahrgang der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) in den Praxen des Landkreises. Ziel ist es, den Studierenden den Praxisablauf nahe am Patienten zu vermitteln. Zudem wird ihnen ein touristisches Rahmenprogramm angeboten, welches die Region als attraktiven Lebens- und Arbeitsraum präsentiert.

Stärkung der Famulatur zur Sicherung der Versorgung

Die neue zahnärztliche Approbationsordnung sieht eine verbindliche Famulatur vor, die entscheidend zur Sicherstellung einer flächendeckenden, wohnortnahen Versorgung beiträgt. Der FVDZ hat bereits wertvolle Erfahrungen mit der gezielten Steuerung von Famulaturplätzen gesammelt. Deshalb sollte der Auswahl von Famulaturpraxen in ländlichen Regionen Vorrang eingeräumt werden, um die dortige zahnärztliche Versorgung zu stärken. Studierende sollten zudem unbürokratisch unterstützt werden, um Praxisaufenthalte in diesen Regionen zu fördern. Dies gilt nicht nur für Regionen mit akutem Zahnarztmangel, sondern auch für solche, in denen ein zukünftiger Mangel zu erwarten ist. Wird diese Ausrichtung nicht berücksichtigt, besteht die Gefahr, dass Famulaturpraxen weiterhin überwiegend in Universitätsnähe angesiedelt bleiben, was die Versorgung in ländlichen Gebieten zusätzlich belastet.

Anpassung der Famulaturinhalte

Um die Famulatur für Studierende noch attraktiver zu gestalten, müssen die Inhalte entsprechend angepasst werden. Der FVDZ empfiehlt eine intensivere Zusammenarbeit mit den Universitäten, um zahnärztliche Tätigkeiten unter fachlicher Aufsicht in den teilnehmenden Praxen zu ermöglichen. So kann die Famulatur nicht nur zur Sicherstellung der Versorgung in ländlichen Regionen beitragen, sondern den Studierenden auch eine praxisnahe und wertvolle Erfahrung bieten, die sie zur Niederlassung im ländlichen Raum motiviert.